Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Verrückter Wochenend-Ausflug einer Mama – ohne Mann und Kind

Manchmal muss man ein bisschen „crazy“ sein, um was Schönes zu erleben. Und kleine Pausen vom Mama-Dasein wirken wahre Wunder. Für unser neues Theaterstück im November ist ein Film geplant. Und den wollten wir an interessanten Original-Schauplätzen drehen. Am vergangenen Sonntag stand deshalb eine Tagesfahrt nach Berlin in meinem Terminkalender (ohne Familie, dafür aber mit den „Theaterleuten“). Verrückt insoweit, als Berlin nicht gerade um die Ecke liegt. Morgens um 6 Uhr los und am frühen Montag um 1 Uhr nachts wieder daheim klingt nach einem anstrengenden Tag. Für mich als Kleinkind-Mama war es aber eine echte Erholung: Einen ganzen Tag unterwegs sein ohne Kind – das bedeutet Freiheit. Mima wusste ich bei Papa, Onkel und den Großeltern in den besten Händen.

Gut gelaunt starteten wir zu viert zu einer mehrstündigen Zugfahrt. Im Gepäck hatten wir neben der Kamera, Sonnenbrillen und unseren Kostümen auch vier Cityroller, mit denen wir durch die Innenstadt fahren wollten. Ich war erstaunt, wir konnten uns in Ruhe unterhalten. Ich durfte tatsächlich ganze Sätze zu Ende sprechen, ohne plötzlich aufzuspringen oder ohne dass jemand dazwischen gebrabbelt hätte 😉 Von fern hörte man mal ein Kind weinen: „Zum Glück nicht meins!“, dachte ich mit einem breiten Grinsen und lehnte mich im Sitz zurück.

Mit einer Stunde Verspätung kamen wir schließlich gegen 13 Uhr in Berlin an. Ich war zwar schon ein paar Mal dort, stieg aber zum ersten Mal im 2006 eröffneten Hauptbahnhof aus. Ich war beeindruckt von dem riesigen Glasgebäude und der unmittelbaren Nähe zum Regierungsviertel. Kaum angekommen, klappten wir unsere Cityroller auf und düsten los. Ich hatte ganz vergessen, wie viel Spaß es macht, mit so einem kleinen Roller durch die Gegend zu fahren. Ich freute mich wie ein Kind über die Bewegung nach der langen Zugfahrt und den Rest des Tages, der mit seinen Sehenswürdigkeiten und Dreharbeiten noch vor uns lag. (Wenn Mima mal Laufrad fahren kann, muss ich mir unbedingt so einen Roller kaufen – dann haben wir geteilte Freude 😉

Unsere erste Station führte uns am Kanzleramt vorbei zur Wiese am Reichstag. Wir drehten ein paar Szenen und rollten weiter zum Brandenburger Tor, wo wir wieder die Kamera zückten. Danach bekamen wir Hunger und wollten uns berlintypisch mit einer Currywurst stärken. Ein schönes Lokal mit einer riesigen Bücherwand bot sogar eine literarische Currywurst an – das klang gut! Wir bestellten erst mal Getränke und warfen einen Blick in die alten Bücher, die – passend zum Literatur-Stil – auf dem Tisch lagen. Zuerst kam die Bedienung mit Brot und ich dachte automatisch: „Gott sei Dank! Erst mal Ruhe!“ Dann fiel mir ein: „Mima ist gar nicht dabei, wir können hier so lange sitzen, wie wir wollen!“ Naja und dann saßen wir und saßen und saßen länger als wir wollten, die Currywurst kam nicht. Irgendwann wurde uns auch ohne Kind das Warten zu lang und wir fragten nach. „Ah, tut uns leid, det haben wa verjessen!“, war die lapidare Antwort. Schade, denn neben dem Literarischen hätten wir wirklich gern noch was Kulinarisches genossen.

Rund um den Fernsehturm und das Rote Rathaus sieht es im Moment "wüst" aus, denn hier wird das U-Bahnnetz weiter ausgebaut

Rund um den Fernsehturm und das Rote Rathaus sieht es im Moment „wüst“ aus, denn hier wird das U-Bahnnetz weiter ausgebaut

Mit hungrigen Bäuchen fuhren wir weiter Richtung Unter den Linden und Gendarmenmarkt. Dort entdeckten wir ein wahres Paradies, das unsere Herzen höher schlagen ließ: Einen riesigen Laden voll mit Schokolade: Balsam und Nervennahrung für jede Mama-Seele 😉 Vor lauter süßen Verführungen wusste ich gar nicht, wo hinschauen und was auswählen. Wir nahmen verschiedene Trinkschokoladen to go – ein Traum im Pappbecher! Dann entschied ich mich schließlich für Schokostangen verschiedener Geschmacksrichtungen, einen Schokololly für Papa Majsan und ein Schoko-Berlin-Bärchen für Mima.

„Was sie jetzt wohl gerade macht? Ob sie ihren Mittagsschlaf hatte? Ob sie ein neues Wort gesprochen hat?“ – Trotz eines Tages „in Freiheit“ musste ich ziemlich oft an Mima denken. Ich ertappte mich dabei, dass ich in jeden Kinderwagen schaute oder, wenn ich kleine Kinder sah, dachte: „Ach wie schön! So eine kleine Maus habe ich auch!“ Obwohl ich den Tag sehr genoss, hatte ich doch manchmal Sehnsucht nach meiner Mima und das Gefühl, dass etwas fehlt.

Unsere letzte Station führte uns an den Alexanderplatz vor den Fernsehturm. Dann rollerten wir die ganze Strecke zurück bis an den Hauptbahnhof. Dort meldeten sich unsere currywurstfrei gebliebenen Mägen. Und was passt bei Zeitmangel besser als eine andere „Berliner Spezialität“? Klar, wir genehmigten uns auf dem Bahnhofsvorplatz in der Sonne noch einen Döner, der soll ja 1972 in Berlin erfunden worden sein. Nach der Mahlzeit sah ich aus wie sonst meine Tochter. Als „gute Mama“ fand ich tatsächlich noch Feuchttücher in der Handtasche. Welch ein Glück! Und da war er wieder, der Gedanke an meine Mima. Nach meinem schönen, kinderfreien Tag fuhr ich voller Vorfreude nach Hause.

Unglückliche-Mütter

#regrettingmotherhood: Non, je ne regrette rien

Trotzdem habe ich manchmal vom Mama-Dasein die Nase voll!

„Unglückliche Mütter – sie wollen ihr Leben zurück“ lautete unlängst der Titel eines Artikels aus der Süddeutschen Zeitung. Der schlug so hohe Wellen, dass sogar die Tagesthemen und die örtliche Tageszeitung darüber berichteten. Für eine Studie wurden 23 israelische Frauen befragt – an sich noch keine Sensation, denn 23 Befragte sind nur eine sehr kleine Gruppe und Israel ist ja schon einige Kilometer weit weg. Aber der Inhalt birgt Zündstoff: Da sagt eine Mutter, sie hätte nur noch Schwierigkeiten und Sorgen seit der Geburt der Kinder. Eine andere kann die Glücksgefühle anderer Mütter nicht nachvollziehen.

In dem Artikel geht es um eine Studie zu einem „verbotenen Gefühl“, nämlich dem Gefühl, das Muttersein zu bereuen. Die befragten Mütter würden ihre Kinder rückgängig machen, wenn es denn ginge. „Schock, Skandal!!!“ mag man da schreien, ist es doch total in Mode, ultraglücklich zu sein, wenn man Kinder hat. Gerade auf Facebook lese ich oft Einträge, die wie folgt lauten: „Meine Kinder sind das größte Glück des Universums. Nichts und niemand kann dieses Glücksgefühl beschreiben“. Dagegen habe ich noch nie einen Eintrag entdeckt, der lautet: „Mein Kind nervt, gerade könnte ich es auf den Mond schießen“. Sowas gibt man halt öffentlich nicht zu, es ist gesellschaftlich nicht erwünscht. Als Mutter hat man das Glück automatisch gepachtet, basta! Egal, wie nervig der Nachwuchs gerade ist! Insofern hat die Studie etwas angestoßen, nämlich auch mal öffentlich über die negativen Seiten des Elternseins zu sprechen, ohne sich dafür schämen zu müssen. Das finde ich gut so, denn zum Teil wird das Elternsein in der öffentlichen Meinung regelrecht glorifiziert. Deshalb trauen sich manche Eltern wohl nicht, ehrlich zu sein, Motto: „Also bei uns ist das Abendessen immer entspannt. Unser Sohnemann konnte schon von Anfang an mit Messer und Gabel essen.“ Haha!

Und nun gebe ich – ungelogen – was Schreckliches zu: Auch ich wünsche mir manchmal mein „altes Leben“ zurück. Seit Monaten ist Mima ziemlich anstrengend. Es gibt Momente, da bin ich nicht nur erschöpft und genervt, sondern am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Die Kleinkindphase, in dem das Kind sein Ego, seinen Willen und die ganze Welt entdeckt, ist manchmal schier zum Verzweifeln. Einmal waren wir samstags einkaufen. In einem Laden gab es günstig Regenkleidung für Kinder. Leider hatte der Laden so blöde Stufen am Eingang, dass ich Mima aus dem Kinderwagen nehmen musste, sie tragen und den Wagen hinterherhieven. In dem Geschäft flitzte sie prompt überall hin und begann, die Regale auszuräumen. Mein 10-faches Nein ignorierte sie, drehte sich um und machte weiter und strahlte noch dabei. Es ging nicht anders, ich musste sie schnappen. Gleichzeitig musste ich noch den Wagen navigieren, meinen Geldbeutel holen und die EC-Karte rausfischen. Während dieses ganzen Vorgangs schrie Mima wie am Spieß und wand sich wie ein Aal in meinem linken Arm, in dem die Muskeln vor Anstrengung schon zu zittern begannen. Mir standen die Schweißperlen auf der Stirn. Nicht nur wegen der körperlichen Anstrengung, sondern auch wegen des Stresspegels. Ich hatte das Gefühl, alle starren mich an.

Genauso ging es mir in den kommenden Wochen beim Metzger, in der Parfümerie und in diversen Restaurants. Aus Mitleid grasten wir überall was ab: eine Scheibe Wurst, Gummibärchen, einen Lutscher und so weiter. Das sorgte aber nur ein paar Minuten für Ruhe, dann ging es gleich umso heftiger weiter. Manchmal wäre ich vor Scham am liebsten im Boden versunken. Die Taufe an Ostersonntag, während der wir Paten wurden, überstanden Papa Majsan und ich nur, weil wir Mima eine halbe Packung Kekse und einen Becher Trauben essen ließen. Ich weiß selbst, dass das pädagogisch nicht sinnvoll ist, wusste mir aber nicht mehr anders zu helfen. Von der anschließenden Feier hatten wir auch nicht viel, da wir immer abwechselnd mit dem Kind durchs Restaurant laufen mussten. Ich linste sehnsüchtig in Richtung eines Pärchens, das sein erstes Kind gerade erst erwartet. Sie konnten von der Vorspeise bis zum Dessert in aller Seelenruhe das köstliche Mahl genießen und sich miteinander unterhalten. Uns war dann auch ein Dessert vergönnt, allerdings nur, weil Papa Majsan mit Mima eine Runde spazieren war und sie im Kinderwagen schlief. Da konnten wir über ihren Kinderstuhl hinweg auch mal ein paar Sätze miteinander wechseln.

Ja, in solchen Momenten wünsche ich mir mein altes Leben zurück. Voller Sehnsucht denke ich daran, wie ich mir meinen Tag selbst einteilen konnte und ganz in Ruhe Dinge erledigte, ohne mich dabei abzuhetzen. Ich denke an meine Junggesellinnenwohnung, wo mich Papa Majsan besuchte und wir frisch verliebt waren. Wo wir so lange schliefen, wie wir wollten, aßen, was und wann wir wollten, uns stundenlang miteinander über tiefgreifende Themen unterhielten.

Und doch bereue ich es grundsätzlich nicht, Mama zu sein. Ich habe mir schon immer ein Kind gewünscht. Und nun ist mit Mima mein größter Wunsch in Erfüllung gegangen. In einem Erziehungsratgeber, den ich neulich gelesen habe stand: „Niemand kann einem ein so großes Glücksgefühl oder auch ein Gefühl unendlicher Verzweiflung bereiten wie das eigene Kind. Denn es ist der Mensch, der einem am nächsten steht“. Dieser Satz hat mich sehr berührt und auch beruhigt, denn er trifft ziemlich genau meine Gefühle. Anette von Herzgespinst hat auch über die Ambivalenz des Mama-Daseins gebloggt. Sie schreibt in ihrem Beitrag, dass sie ihre Kinder liebt, aber das Konzept der Mutterschaft selbst „nicht ihrs“ ist. Sie braucht Alleinsein, Freiheit, ist eine Nachteule und hält sich nicht gern sklavisch an Termine. Ich stimme ihr in allen Punkten zu. Mir geht es genauso. Manchmal frage ich mich, was ich früher mit all meiner Zeit angefangen habe vor Mima.

Ich frage mich aber auch, wie es wäre, wirklich kein Kind zu haben. Klar hat man alle Freiheiten und kann weggehen, so oft und so lange man will. Aber ist das die Erfüllung? Nein! Denn irgendwann war das viele Weggehen langweilig geworden. Außerdem gewinnt man mit Kind (neben dem Kind an sich natürlich) viele schöne Dinge im Leben dazu: Zum Beispiel findet man ziemlich schnell Freunde. Wenn wir unterwegs sind, komme ich mit wildfremden Menschen ins Gespräch, nur weil Mima ihnen freundlich zuwinkt. Ich bekomme Komplimente für mein „süßes Kind“, wenn es sich nicht gerade benimmt wie oben beschrieben. Außerdem habe ich beim Schwangerenyoga, bei Kursen und im Kindergarten viele Kontakte und sogar wertvolle Freundschaften geknüpft. In der Elternzeit habe ich gelernt, gewisse Dinge wieder mit den Augen eines Kindes zu sehen und mehr auf mein Kind, mich und meine Umwelt zu achten, beispielsweise auf die schönen Blumen, die auf dem Spielplatz blühen oder darauf, wie sich Sand in den Händen anfühlt.

Ich sehe, wie Mima mit großer Freude und strahlenden Augen ihr erstes Eis verspeist. Ich merke, wie sie immer mehr versteht, ihre Schuhe schon selbst aus dem Schrank holt und neben den Worten „Mama, Papa, Ball und Wauwau“ jetzt auch „Schuhe“ sagt. Dann bin ich unendlich stolz und freue mich mit. Ich genieße es, sie an den Tagen, an denen wir keine Termine haben, noch ein bisschen in unser Bett zu holen. Neulich wollte ich sie vom Kindergarten abholen. Sie war ganz ins Spiel vertieft. Als ich aber ihren Namen rief, sah sie sofort auf. Ein Strahlen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Sie stand auf und rannte, so schnell es ihre kurzen Beinchen erlaubten, in meine Arme und kuschelte sich ganz fest an mich. Solche intensiven Momente habe ich ohne Kind nicht erlebt. Es sind Momente, die mein Leben bereichern und mich für meine Mühen „belohnen“. Es sind Momente, in denen ich spüre, dass ich mein Kind sehr liebe und mein Kind mich wohl auch.

Deshalb: Je ne regrette rien – ich bereue nichts! Schön, dass du da bist, Mima, auch wenn du mich manchmal auf die Palme bringst.

Osterhase legt besonders schönes „Ei“

Großes Familienfest an Ostersonntag geplant

Bäh! Eigentlich dürfte ich Ostern nicht mögen wegen der vielen Eier, die es dann überall gibt. Ich habe seit meiner Geburt eine Eierphobie. Egal ob hart oder weichgekocht, Spiegel- oder Rührei, für mich käme es einer Dschungelprüfung gleich, ein Ei essen zu müssen. Es wäre in etwa so lecker wie Maden mit Heuschrecken.

Trotzdem liebe ich Ostern – man kann ja durchaus auf Schokoladeneier als Ersatz zurückgreifen 😉 In dem Fest der Auferstehung Christi steckt so etwas wie Neubeginn und Aufbruchstimmung und das mag ich am Frühling. Oft ist es zwar an Ostern noch kalt, aber es liegt immer gute Stimmung in der Luft. In diesem Jahr freuen sich Papa Majsan und ich ganz besonders auf Ostern, denn der Osterhase hat uns ein wirklich schönes, großes „Ei“ ins Nest gelegt: Wir werden an Ostersonntag Paten 😉

Wieder ein Anlass, sich um das Thema „Taufe“ Gedanken zu machen. Schon lange bevor ich Mama wurde, habe ich dazu verschiedene Überlegungen angestellt und auch mit Freunden über das Thema diskutiert. Schließlich haben Papa Majsan und ich uns entschieden, dass Mima getauft wird. Ich selbst habe in den letzten Jahren immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt, aus der Kirche auszutreten. Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat mich fassungslos gemacht und über die Sachen, die der Papst so verkündet (Kinder „in Würde schlagen“ und so), müsste ich fast lachen, wenn es nicht so unfassbar traurig und lebensfern wäre. Außerdem ist die Kirche auch eine ziemliche Geldfrage. Als Papa Majsan und ich uns neulich angeschaut haben, was wir in den letzten Jahren an Kirchensteuer bezahlt haben, ist uns fast schwindelig geworden. Was könnte man mit diesem Geld nicht alles anfangen!

Und doch haben wir Mima taufen lassen. Allerdings evangelisch, weil uns die Protestanten doch etwas liberaler vorkommen als die Katholiken. Die Gründe für die Taufe waren vielfältig. Ich finde, dass Wissen über Religionen und Ethik zum Allgemeinwissen zählt und dass es meinem Kind nicht schadet, wenn es später in der Schule den Religionsunterricht besucht. Klar ist der dann konfessionell geprägt, aber mit zunehmendem Alter kann sich Mima ihre eigenen Gedanken dazu machen und sich ihre eigene Meinung bilden. Als Jugendliche habe ich mal zwei französische Kinder betreut, die damals sechs und acht Jahre alt waren. Ich erzählte ihnen, dass bald Weihnachten ist und zeigte ihnen ein Bild von einem Jesuskind in der Krippe. Dazu erklärte ich: „Wir feiern Weihnachten, weil dann Jesus geboren wurde.“ Da fragten mich die beiden katholisch getauften Kindern mit ratlosen Gesichtern: „Wer war denn Jesus?“ Das wird Mima in dem Alter hoffentlich nicht fragen, denn für mich gehört es zum Allgemeinwissen. Einem getauften Kind sollten zumindest die Eltern mal erzählt haben, wer Jesus war. Sonst kann man sich die Taufe auch sparen.

Noch wichtiger als die Wissensfrage war für mich aber die Frage der Gemeinschaft, der Werte und des Zusammenhaltes. Ich weiß nicht, wie viele Tage, Abende und Wochenenden ich als Jugendliche bei der katholischen Jugend verbracht habe. Ich erinnere mich daran, dass es eine der schönsten Zeiten meines Lebens war. Wir hatten damals einen jungen, weltoffenen Vikar, der sogar vor der Kirche mit uns Volleyball spielte und lachte, als der Ball aus Versehen ins Weihwasserbecken flog. Kinder- und Jugendfreizeiten, Spieleabende, Andachten, Kinder- und Jugendmessen – all das hätte es ohne katholische Jugend nicht gegeben. Ich hatte viele Freunde dort und der Zusammenhalt war über Jahre hinweg toll. Jahrelang hingen wir fast jeden Abend im „Heim“ rum, dem katholischen Jugendtreff. Dort waren wir sicher „gut unter“. Gerne gingen wir auch ab und zu zur Messe oder zu den „Frühschichten“ in der Fastenzeit. Das waren kleine Andachten schon morgens um 6 Uhr vor der Schule. Es wurde eine Geschichte vorgelesen, Kerzen angezündet und zum Schluss gab es Nutella-Brote 😉 „Nebenbei“ erfuhr ich in dieser Zeit viel über die Bibel, den Glauben, Gott und Jesus und machte mir so meine Gedanken dazu.

Genau solche Erlebnisse und eine so schöne Zeit wünsche ich auch Mima. Klar kann sie sich auch in Vereinen Freunde suchen oder in der Schule, aber die kirchlichen Unternehmungen waren für mich damals was ganz Besonderes. Nachhaltig geprägt hat mich auch ein „Fall“ eines Mädchens in der Familie. Ihre Eltern hatten sie nicht taufen lassen. Sie sollte später einmal „selbst entscheiden“. Als mit neun Jahren all ihre Klassenkameradinnen zur Kommunion gingen, wollte sie das auch, ließ sich zuerst taufen, ging dann zur Kommunion und war stolz darauf, doppelt Geschenke abgesahnt zu haben. Es kann mir niemand erzählen, dass ein neunjähriges Mädchen diese Entscheidung in ihrer ganzen Tragweite und Bedeutung überblickt. Dann finde ich den umgekehrten Weg besser: Mima wurde als Baby die Entscheidung abgenommen. Sie hat die Möglichkeit, sich in der Gemeinde zu integrieren, zur Konfirmation zu gehen etc. Und wenn sie keine Lust mehr auf Kirche hat, kann sie später gerne austreten. Religionsmündig ist sie mit 14 Jahren und kann dann über einen Austritt selbst entscheiden.

Natürlich ist der wichtigste Grund dafür, sein Kind taufen zu lassen, der Glaube. Ich gebe zu, dass es da bei mir etwas „hapert“. Trotz katholischer Jugend: Gläubig im Sinne der Kirche war ich noch nie. Wohl aber sind für mich Werte wie Nächstenliebe, soziale Verantwortung oder Wertschätzung der Familie bindend und wichtig. Ich glaube einfach an ein höheres Wesen oder eine gute Macht. Wie man die nun nennt, ist für mich zweitrangig. Hier bin ich kein überzeugendes Beispiel für meine Tochter im Sinne der Kirche, aber am liebsten ist es mir sowieso, sie bildet sich ihren eigenen Glauben, so wie ich es auch getan habe. Wir als Eltern können sie nur auf ihrem Weg anleiten. Deshalb haben wir den folgenden Taufspruch gewählt: „Weisheit wird in dein Herz eingehen, und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein, Besonnenheit wird dich bewahren und Einsicht dich behüten.“ Genau das wünschen wir uns für unser kleines Mädchen.

Nun also eine weitere Taufe an Ostersonntag! Das Patenamt übernehme ich gerne im Sinne der oben genannten Argumente 😉 Vorbereitet bin ich auch. Ich habe eine Taufkerze bestellt, Geschenke gekauft und eine Fürbitte geschrieben. Der Ostergottesdienst wird sicher durch die Taufe besonders feierlich und der Osterhase hoppelt in diesem Jahr etwas mehr in den Hintergrund. Dadurch gewinnt der eigentliche Sinn des Osterfestes wieder mehr an Bedeutung.

Ich wünsche euch allen frohe Ostern und schöne Feiertage (egal ob mit oder ohne Kirche 😉 Gern könnt ihr mir auch eure Kommentare zum Thema Taufe hinterlassen, ich bin gespannt…

Die Osterdeko zaubert hoffentlich den Frühling herbei.

Die Osterdeko zaubert hoffentlich den Frühling herbei.

Schutzengel leistet tolle Arbeit

Als Mama kann man nicht genug aufpassen, wenn quirlige Kleinkinder die Welt entdecken wollen

Riesiges Glück gehabt haben wir letzte Woche. Mimas Schutzengel hat ganze Arbeit geleistet und dafür sind wir sehr dankbar. Der Schreck sitzt uns immer noch tief in den Knochen. Ich hatte einen Moment nicht aufgepasst und schon war es passiert.

Der Tag begann schön und sonnig. Für den Nachmittag waren wir bei Freunden eingeladen, die auch ein Kind in Mimas Alter haben. Wir Mamas wollten gemütlich einen Tee trinken und die Kinder zusammen spielen lassen. Ein schöner Plan! Voller Vorfreude machten Mima und ich uns auf den Weg. Uns erwartete eine gedeckte Kaffeetafel mit Obst und Kuchen. Meine Freundin kochte Tee. Wir nahmen Platz. Ich nahm Mima auf den Schoß und wollte ihr einen Teller mit Obst und Keksen zurecht machen. An die dampfende Teetasse zu meiner Rechten dachte ich für einen Augenblick nicht mehr. Und da geschah das Unglück. Es ging alles blitzschnell. Meine Freundin rief noch die erste Silbe des Wortes „Achtung“, zu mehr reichte es nicht mehr. Mima hatte den Henkel der Teetasse gegrabscht und zu sich gezogen. Ich merkte nur noch, wie eine heiße Flüssigkeit über mein Bein lief und hörte sie markerschütternd schreien. Dann hörte ich Scherbenklirren und meine Freundin rufen. Ich sah an Mima hinunter und erschrak zu Tode. Sie hatte sich den heißen Tee übergekippt.

„Schnell zum Waschbecken! Kaltes Wasser!“ Meine Freundin reagierte sofort. Wir trugen Mima zum Waschbecken und ließen das kalte Wasser über sie und ihre Kleider laufen. Sie schrie und wir merkten, dass das Waschbecken zu eng war. „Unter die Dusche!“ rief meine Freundin. Wir stellten sie immer noch in Kleidern dort hin und duschten sie eiskalt ab. Eine Träne lief meine Wange hinunter, während sich meine Gedanken überschlugen: Mein armes, kleines Mädchen stand dort. Zitternd, schreiend und mit roter Haut. „Oh Gott, ich bin schuld! Warum habe ich nicht besser aufgepasst? Wie konnte mir das nur passieren, wo ich doch vorgewarnt war!“

In der Tat war ich über 20 Jahre Mitglied im Roten Kreuz und kenne mich mit erster Hilfe aus. Aber, wenn es ein Familienmitglied – und am allerschlimmsten – das eigene Kind betrifft, ist die Situation ganz anders. Ich dachte an einen Fall, den mir Bekannte erzählt hatten. Auch hier hatte der kleine Sohn eine Teetasse von der Anrichte gezogen und sich den Hals und den gesamten Bauch verbrüht. Auch hier hatte die Mutter richtig reagiert und den Kleinen sofort unters kalte Wasser gehalten. Das Kind musste mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht werden, weil Lebensgefahr bestand. Genau das jagte mir durch den Kopf und ich bat meine Freundin, den Notruf zu wählen. Dann wechselte ich Mimas Windel und wickelte sie in einen Bademantel und ein Handtuch. Wir gaben ihr den Schnuller und setzten uns, während wir auf den Krankenwagen warteten. Meine Freundin versuchte, mich zu trösten. Mir tat das unheimlich gut und es gelang mir auch, Mima ein wenig zu trösten.

Trotzdem jagten mir die Gedanken an diesen Fall aus dem Bekanntenkreis durch den Kopf. Der Junge hatte damals mehrere Wochen in der Klinik verbringen müssen und monatelang ein spezielles Hemdchen anziehen müssen, damit keine Narben blieben. Ich machte mir schreckliche Sorgen um mein armes, kleines Mädchen! Warum nur hatte ich nicht aufgepasst? Ich war doch verantwortlich für Mimas Wohlergehen! Bange Minuten des Wartens, die wie zäher Honig vergingen. Dann kam endlich der Rettungswagen. Zwei freundliche Männer versuchten erst einmal, beruhigend auf mich einzureden. Mima fing an zu weinen. Da zauberten sie einen Teddy aus ihrer Tasche und konnten sie dann anschauen. „Sieht nicht so schlimm aus. Die Haut ist nur gerötet und es haben sich keine Blasen gebildet, das ist sehr gut. Wir fahren jetzt erst mal in die Kinderklinik.“ Ich war ein bisschen erleichtert, aber ich fühlte mich trotzdem furchtbar. Einer der Rettungssanitäter unterhielt sich mit mir. „Wissen Sie, Sie können die größte Glucken-Mutter aller Zeiten sein und trotzdem können Sie nicht alles verhindern. Da kommt später noch mehr. Irgendwann fahren die Kinder Fahrrad, Skateboard oder Inliner, da kann auch was passieren. Ich bin jetzt schon über 40 Jahre beim Rettungsdienst und habe da so meine Erfahrungen.“ Diese Aussage tröstete mich etwas, obwohl ich natürlich alles tun werde, damit wir nicht mehr in einen Krankenwagen steigen müssen.

In der Klinik angekommen, erwartete uns schon ein sehr freundlicher Arzt. Mima fasste gleich Vertrauen und ließ ihn auf ihren Bauch und ihr Bein schauen. „Prima! Sehr gut gemacht, man sieht auf der Haut gar nichts mehr. Sie benötigt noch nicht einmal Salbe. Ich schreibe Ihnen einen Ambulanzschein und Sie dürfen nach Hause. Wenn alles so bleibt, braucht sie auch keine Nachkontrolle. Sollten doch rote Flecken auftauchen, gehen Sie bitte zum Kinderarzt“, meine er. Ich konnte unser Glück kaum fassen und fragte noch dreimal nach, ob wirklich alles in Ordnung sei. Ich zog Mima ihre Ersatzkleider aus der Wickeltasche an und sie lief gleich im Behandlungszimmer herum und wollte dort alles erkunden. Danach konnten wir nach Hause. Welch ein wahnsinniges Glück hatten wir gehabt! Ich bin meiner Freundin, die so beherzt reagiert hat, und Mimas Schutzengel unendlich dankbar.

Ich habe mir vorgenommen, in Zukunft viel besser aufzupassen. Tassen mit heißen Flüssigkeiten kommen nur noch auf den Tisch, wenn Mima sicher in ihrem Kinderstuhl sitzt!

Zwischen Kugelbahn, Bobbycar und kleinen Spielkameraden

Mima ist jetzt offiziell „Kindergartenkind“

Zugegeben: Ein paar Tränchen sind schon geflossen. Für Mima, mich und die ganze Familie hat in den letzten beiden Wochen eine neue Ära begonnen: Mima wurde im Alter von 16 Monaten in den Kindergarten eingewöhnt. Wie erwartet, hat es gut geklappt.

Als wir am ersten Morgen voller Vorfreude in den Kindergarten kamen, erwartete uns dort eine Tafel mit der Aufschrift „Willkommen, Mima!“ Das war sehr einladend und machte Mut für die folgenden Schritte. Die führten ins Zimmer der kleinsten Gruppe, wo Mima ganz neugierig von ihrer Bezugserzieherin und den anderen Kindern empfangen wurde. Eine Stunde täglich sollte sie in ihrer ersten Woche bleiben. Von der Krabbelgruppe her kannte sie den Raum schon, was durchaus ein Vorteil war. Am Anfang drückte sie sich noch fest an mich, bis die Erzieherin Musik anmachte. Mima war sofort in ihrem Element und machte mit. Auch von einem Luftballon und der Kugelbahn ließ sie sich ablenken (wir haben die selbe Bahn zu Hause und sie spielt gerne damit). Irgendwann im Laufe der ersten Woche musste ich nicht mehr mit im Raum sein, sondern ich konnte mich neben der Tür auf einen Stuhl setzen und auf sie warten. Zwischendurch kam sie immer mal wieder, um mir etwas zu zeigen oder mich mitzuziehen – und wunderte sich, warum Mama so gar nicht in Spiellaune war. Mir kam es auch etwas komisch vor, denn ich durfte sie aus pädagogischen Gründen nicht ermutigen, mit mir zu spielen. Schließlich sollte sie sich „abnabeln“.

Einerseits ist es schön, wenn das Kind einen Schritt in Richtung Eigenständigkeit macht, andererseits nach über einem Jahr gemeinsamer Elternzeit auch ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Von meinem Stuhl aus konnte ich prima das Geschehen beobachten und mit anderen Eltern plaudern, die ihre Kinder vorbeibrachten. Einmal weinte ein kleiner Junge herzzerreißend, weil er seinen Papa nicht gehen lassen wollte. Da wurde auch mir das Herz schwer, denn ich erinnerte mich daran, dass ich als Kind selbst sehr geweint hatte. Der Vater des Jungen ging dann einfach und nach einer Weile ließ er sich von einer der Erzieherinnen trösten, um dann fröhlich zu spielen. „Sehr beruhigend!“, dachte ich mir. Dann kam auch für uns der Moment des Abschieds. Ich gab ihr einen Kuss und ging in den Flur – nur um zu hören, dass sie ebenso weinte. Das fiel mir schon schwer. Allerdings ging ich nicht weit weg in den Flur und machte es mir in der „Elternecke“ bequem.

Während ich an meine kleine Mima dachte, las ich mich durch ein paar Erziehungsratgeber, die der Kindergarten in der Elternbibliothek hatte und unterhielt mich mit anderen Eltern, die ihre Kinder brachten. So wurden es insgesamt gemütliche Vormittage, bei denen ich auch was Nützliches lernte. „Keine Angst, die nur-Nudeln-Phase geht vorbei“, stand in einem der Ratgeber zum Thema Essen. Das Mittagessen war nämlich über Wochen hinweg Aufreger Nummer 1 gewesen, weil Mima vieles verschmähte, Essen auf den Boden warf oder sich schlicht weigerte, irgendetwas anderes zu essen als trockenes Brot. „Zwingen Sie Ihr Kind niemals zum Essen. Es ist auch nicht schlimm, wenn es eine Mahlzeit ausfallen lässt. Der kleine Körper holt sich schon, was er braucht. Und seien Sie nicht genervt, wenn es nicht auf Anhieb klappt“. Aha, ich muss also cooler an die Thematik rangehen, war mir da klar.

Als ich gerade so schön vertieft in meine Lektüre war, kam die Erzieherin lachend um die Ecke. „Und, was macht meine Mima?“, fragte ich erwartungsvoll. „Alles gut, sie hat eben gleich aufgehört zu weinen und spielt fröhlich.“ Ich strahlte und freute mich, mein kleines Kindergartenmädchen „abzuholen“. Ich erblickte sie auf dem Bobbycar und rief gleich freudig: „Mima“. Sie drehte sich zu mir um, lächelte und warf sich dann in meine Arme. Hach, so ein schönes Gefühl 😉

In der zweiten Woche dehnten wir die Kindergarten-Zeit auf zwei Stunden aus und nahmen das Frühstück in Angriff. Ich machte ihr morgens ihre Trinkflasche, ein Pausenbrot und ein bisschen Obst zurecht und sie aß dann im Kindergarten ihr zweites Frühstück – mal mehr, mal weniger. Auch das klappte 😉 In der gesamten Eingewöhnungszeit machte Mima einen fröhlichen, ausgeglichenen Eindruck, wie ich es eigentlich auch erwartet hatte. Ich habe das Gefühl, dass ihr der Kontakt mit den anderen Kindern, mit ihrer Erzieherin und das viele „neue Spielzeug“ sehr gut tun. Dank des Essens-Ratgebers aus der Elternbibliothek haben wir gleich noch ein anderes großes Thema „gemeistert“: das leidige Mittagessen, das jetzt gar nicht mehr leidig, sondern echt entspannt ist. Mima bekommt jetzt nur noch unser „ganz normales Essen“. Wenn sie es isst, ist es gut, wenn nicht, auch okay. Vor einigen Tagen hat sie bei ihrer Oma tatsächlich Fischspieße mit Garnelen, Tintenfischen und Muscheln verspeist. Ich war sprachlos und mächtig stolz auf mein großes Kindergartenmädchen 😉

1:0 für den inneren Schweinehund

Wie mein Körper die Diät-Notbremse zog

Eigentlich ist ja alles gut. Meine Figur hat sich nach dem Kind verändert, ich habe mich dran gewöhnt und mag mich. In letzter Zeit erwischte ich aber Papa Majsan und mich immer öfter vor dem Fernseher. Chips kauend, Bier trinkend – beides mit großem Genuss. So groß, dass wir den Ton auf Seniorenlautstärke stellen mussten, um bei dem ganzen Chips-Geknabber überhaupt noch was von den Nachrichten mitzukriegen, die da über den Bildschirm flimmerten. Nicht gut! Und das auch noch mitten in der Fastenzeit!

Da könnte es nicht schaden, doch noch das Diätpaket in unserer Speisekammer auszupacken und einige Tage zu fasten, oder? Vielleicht würde ja dadurch auch die Auswahl in meinem Kleiderschrank wieder größer, denn die meisten meiner Jeans sind unbrauchbar geworden. Noch bis an die Knie kann ich sie hochziehen, dann ist Schluss. Unfassbar, dass die wirklich mal gepasst haben! So angespornt und voller Elan startete ich in das Abenteuer. Am Tag zuvor hatte ich bei Freunden noch einmal kräftig geschlemmt (Vorspeise: Kartoffelsuppe, Hauptspeise: Rinderrouladen mit Knödeln und Rotkraut, Nachtisch: Tiramisu – da läuft mir selbst beim Schreiben noch das Wasser im Mund zusammen 😉 Abends las ich dann die Anleitung von dem Diätpaket.

In dem Paket waren Müsli, Cracker, Riegel, Shake, Kekse und Suppe. Alles in verschiedenen Geschmacksrichtungen, damit es auch nicht langweilig wird. In den Produkten ist laut Firma Guar enthalten, das den Stoffwechsel anregt. Über den Tag verteilt sollte ich jede Stunde etwas davon essen und alle anderen Lebensmittel weglassen. Erlaubt waren nur Kaffee, Tee und Wasser. Gespannt packte ich am Morgen zunächst einmal das Erdbeermüsli aus. Ich schnupperte daran und fand den Geruch gar nicht schlecht. Dann goss ich es mit etwas Wasser auf. Erst mal war die Portion winzig und auch die Konsistenz gefiel mir nicht. Eine schleimige klebrige Masse waberte in meinem Teller herum, während Papa Majsan genüsslich in sein Nutella-Brot biss und Mima sich ein Stück Kranzkuchen schmecken ließ. Der erste Löffel schmeckte genauso, wie es die Konsistenz vermuten ließ: Widerlich! Irgendwie nach Chemie mit künstlichem Erdbeer-Aroma, so wie man es von billigen Kaugummis aus dem Automaten kennt. Kein guter Beginn!

Hunger hatte ich zunächst keinen, der Appetit war mir auch gründlich vergangen. Unterwegs (ich sollte ja jede Stunde etwas essen) aß ich einen so genannten Cereal-Riegel. Der bröckelte auseinander wie Gipsmasse – und schmeckte auch genauso. Wieder zu Hause probierte ich es mit einem Erdbeer-Shake. Der war nicht ganz so chemisch wie das Müsli, aber auch kein Hochgenuss. In die nächste Runde gings mit Dinkel-Crackern und Schokokeksen. Beides war relativ geschmacksneutral, aber ganz OK.

Dann folgte die größte Herausforderung: Ich musste für meine Lieben Mittagessen kochen, ohne selbst etwas davon essen zu dürfen. Wie mein Wokgericht mit Gemüse und Garnelen duftete – hmmm, nach richtigem Essen! Schon während des Schnippelns aß ich ein paar Möhrenstücke. „Ist ja nur Gemüse“, redete ich mir gut zu. Während Papa Majsan und Mima wieder zulangten, shakte ich mir eine Tomatensuppe. Heraus kam rotes Wasser mit ein paar Gewürzbrocken, das irgendeinen Geschmack hatte, nur nicht den von Tomaten. Um das schlechte Aroma aus meinem Mund zu vertreiben, naschte ich ein paar Gemüsestückchen, die Mima übrig gelassen hatte. „Hat ja nicht viele Kalorien“.

Den Nachmittag verbrachte ich wieder mit Dinkel-Crackern und Schokokeksen. Dabei wurde es mir immer flauer im ganzen Körper. Ich fühlte mich zwar satt, aber irgendwie schwindelig und schlapp. In dem Begleitheft zur Diät war das auch erwähnt. „Trinken Sie Gemüsebrühe und legen Sie sich hin!“ stand da. Den Rat befolgte ich während Mimas Mittagsschlaf. Aber auch danach wurde es nicht besser. Um mich abzulenken, ging ich mit Mima und dem Hund eine Runde spazieren. Auch dieser Tipp war in der Broschüre genannt. Erfolglos! Das flaue Gefühl blieb und steigerte sich eher noch. Dann war es Zeit fürs Abendessen. Ich saß da mit Crackern, während meine beiden Lieben leckere Salamibrote verspeisten. Mir wurde immer komischer und meine Laune sank genauso wie mein Kreislauf langsam aber sicher in Richtung Keller.

Als ich Mima ins Bett brachte, hatte ich Pudding in den Armen und das Gefühl, sie kaum noch tragen zu können. „Kann das gesund sein? Ist es das wert, um den Gürtel wieder enger zu schnallen?“, fragte ich mich. Das fühlte sich nicht mehr nach fasten an, sondern nach Folter. Ich stand noch eine Weile unschlüssig im Bad, dann ging ich mit schnellen Schritten in die Küche. Dort schnappte ich mir eine kleine Scheibe Brot, strich eine Gemüsepaste drauf und garnierte das Ganze mit wirklichen, echten roten und gelben Cocktailtomaten. Aaaah, tat das gut, nach all der Chemie was Richtiges zu essen, das auch normal schmeckte. Nach etwa einer halben Stunde dankte es mir auch mein Kreislauf. Er fuhr langsam aber sicher wieder hoch und erlaubte mir, heute Abend am Computer noch kreativ zu sein. Wäre es bei dem Diätzeug geblieben, hätte ich mich wahrscheinlich ins Bett legen müssen stattdessen. Und wer weiß, wie dann der nächste Tag ausgesehen hätte. Mit permanenten Kreislaufproblemen wird es schwierig, ein Kind zu versorgen und dazu muss ich natürlich noch in der Lage sein.

Was mache ich jetzt mit dem ganzen Diätzeug? Das ist eine gute Frage, denn mit 114 Euro war es wirklich astronomisch teuer. Unfassbar, dass ich dafür mein letztes Elterngeld ausgegeben habe! Verkaufen? Weiter verschenken? Und was wird aus meinen Jeans? Auch weiterverschenken? Die Antwort weiß ich noch nicht. Auf jeden Fall freue ich mich erst mal auf morgen: Dann sind Mima und ich auf einen Kindergeburtstag eingeladen 😉

Bezüglich Fasten überlege ich mir noch was. Fastet ihr? Wenn ja, wie? Hinterlasst mir doch einen Kommentar – ich freue mich drauf!

Mit dem gelben U-Boot auf Tauchstation

Wellness mit den Beatles – eine dringend benötigte Auszeit

„Was macht Papas Unterhose im Flur?“, fragte ich mich eines Abends kopfschüttelnd. War mir die auf dem Weg zur Waschmaschine runtergefallen? Nachdem ich einen Blick ins Bad warf, war die Antwort klar: Mima hatte dort sämtliche Klamotten und Schlafanzüge gebunkert und saß fröhlich mittendrin. Die Unterhose musste sie auch irgendwo ergattert und dann in den Flur geschafft haben. Mit Kind gibt es richtig schöne Phasen, aber auch ziemlich anstrengende. Die vergangenen Wochen fielen in die letzte Kategorie. Sie gingen damit einher, dass Mima ihren eigenen Willen entdeckte und diesen auch durchsetzen wollte.

Dazu erkundete sie noch die allerletzten Winkel der Wohnung und was sie da hervorzauberte, war auch sehr kreativ. Eines Tages saß sie zum Beispiel im Bad und spielte Pfarrer. In der Hand hatte sie unsere Klobürste und segnete damit den Teppich. Daneben lag die komplett abgewickelte und zerfetzte Klorolle. Nichts ist mehr vor ihr sicher. Als sie das Telefon in die Hände bekam, wählte sie prompt und zielsicher die 112. Zum Glück konnte ich noch auflegen, bevor es zur Verbindung kam. An dem Abend fand ich auch meine matschigen Straßenschuhe auf unserer Couch.

Weil ich in dieser Phase von morgens bis abends wegen irgendetwas „nein“ rief, war das auch bald Mimas Lieblingswort – vornehmlich beim Mittagessen. Egal, was ich kochte, alles war „nein“. Begleitet von Durchbiegen, Schreien und Essen auf den Boden schmeißen. Auch die Nudeln mit Tomatensoße schmeckten ihr nicht und so schleuderte sie dieses Gericht kurzerhand gegen die Wand. Erst nach einer gründlichen Putzaktion konnten zumindest Papa Majsan und ich was essen. „Ich brauche Urlaub – dringend!!!“, schoss es mir durch den Kopf. Aber halt, da war ja was! Wie hieß es doch gleich in meinem Mama-Job-Arbeitsvertrag? „Der Job ist 7 Tage die Woche rund um die Uhr auszuführen. Die Anzahl der Urlaubstage beträgt 0 und das Gehalt 0 Euro. Vielmehr besteht die Bezahlung aus Liebhaben, kleinen Küssen, schönen Momenten und dem kleinen, über alles geliebten Menschen an sich“.

Eine der Omas erkannte schließlich meine zusätzlichen grauen Haare, die mir in den letzten Wochen gewachsen waren und bot sich an, Mima einen Nachmittag und Abend zu nehmen. Eine herrliche Aussicht! Eine Freundin hatte mir zu Mimas Geburt einen Massage-Gutschein geschenkt. Den wollte ich einlösen! Dazu noch zwei Stunden in der Therme schwimmen und für Abends hatten Papa Majsan und ich Karten für ein Beatles-Musical (das hatte er mir zu Weihnachten geschenkt). Ich freute mich schon sehr auf diesen Tag!

Er begann auch sehr vielversprechend mit Sonnenschein. Um 14 Uhr kamen Oma und Opa und lösten mich ab. Erst einmal erklärte ich ihnen die Liste, die ich für Mimas Versorgung geschrieben hatte und packte meine Tasche fertig. Erst hatte ich überlegt, Freundinnen zu fragen, ob sie mich begleiten. Dann überlegte ich es mir anders. Mal nichts reden zu müssen und einfach nur für mich sein, erschien mir verlockender. In der Therme stellte ich fest, dass ich ziemlich den Altersdurchschnitt senkte. Außer mir waren fast nur ältere Leute im Wasser und viele von ihnen sprachen französisch. Ich freute mich, mal wieder die Sprache meiner „zweiten Heimat“ Frankreich zu hören und zog ein paar Bahnen im Außenbecken. Da das Wasser 30 Grad hatte, konnte man super nach draußen schwimmen, ohne zu frieren. Ein herrliches Feeling war das – ein richtiger kleiner Vorgeschmack auf die hoffentlich baldige Freibad-Saison!

Dann war es auch schon Zeit für die Massage. Eine junge Frau nahm mich in Empfang und führte mich zunächst in den Ruheraum, wo ich auf die Behandlung wartete. „Wow, toll!“, dachte ich. Hier gab es angenehme Musik, schöne, entspannende Bilder an der Wand, Kerzenlicht, Duftlampen und einen künstlichen Sternenhimmel, der ab und zu die Farben wechselte. Schließlich holte mich die Frau ab und bat mich auf ihre Liege. „Sie haben eine Teilkörper-Massage gebucht, deshalb werde ich Ihnen nur den Rücken massieren!“ „Oh ja, der hats nötig!“, meinte ich. Die Frau wärmte die Liege, rieb mich mit Traubenkern-Öl ein und legte mit geschmeidigen Händen los. In den nächsten Minuten lösten sich ein paar der Verspannungen der letzten Wochen und ich fand die Massage sehr angenehm. Irgendwann legte die Masseurin ihre warmen Hände auf den Rücken. „Oh, hoffentlich ist es noch nicht vorbei“, dachte ich. Da sagte sie auch schon: „So, das wars!“ 20 Minuten waren wie im Flug vergangen. Anschließend durfte ich mich noch einmal in den schönen Ruheraum legen. Die Masseurin deckte mich zu und brachte mir sogar noch ein Glas Saft und was Süßes. Woher sie von meiner Vorliebe für Twix wusste, weiß ich auch nicht 😉 Ich schaute auf die Uhr: 16:05. „Bestimmt ist Mima jetzt vom Mittagsschlaf aufgewacht.“ Überhaupt musste ich trotz Entspannung sehr oft an meine Mausi denken. Wie schön, sie in guter Betreuung zu wissen! Nach der Massage schwamm ich noch ein paar Bahnen in den Innen- und Außenbecken, dann duschte ich mich in Erwartung auf das noch folgende Ereignis.

Zu Hause angekommen, war Mima mit Oma und Opa gerade spazieren. „Sehr schön, dann kann ich mich in Ruhe umziehen und chic machen“, dachte ich und entschied mich für meinen neuesten Moshiki-Rock, den mir Papa Majsan zum Geburtstag geschenkt hatte. Auch er freute sich auf das Beatles-Musical. In der Festhalle angekommen, hatten wir noch genügend Zeit, etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen. Als 60er Jahre-Fans fanden wir das Bühnenbild einfach nur genial. Einen grünen VW-Bulli gab es da, eine typische 60er Jahre-Tapete, ein Teil des Bildes vom Beatles-Album „Abbey Road“, ein kussmundförmiges Sofa und ein Pop-Art-Bild der Queen. Auch die Rahmenhandlung war wohl typisch 60er-Jahre-Feeling. Es ging um eine 16-Jährige, die gerne Beatles hörte und ihren Vater, der es ihr verbieten wollte. Zwischendurch spielten immer wieder die „Silver-Beatles“, eine Band, die nicht nur so aussah, sondern dem Original-Sound sehr nahe kam. Über zwei Stunden lang spielten sie alle möglichen Hits der Fab Four, von „Penny Lane“ über „I want to hold your hand“ bis hin zu „Yellow Submarine“. Wir fühlten uns wie in unserem eigenen kleinen U-Boot, ließen uns von der Musik treiben, wippten und rockten mit. Ich freute mich besonders, dass die Cover-Band auch „Here comes the sun“, eines meiner Beatles-Lieblingslieder spielte. Der Abend war noch viel besser als erwartet! Wir konnten einmal richtig „untertauchen“ und vom Eltern-Dasein entspannen. Insgesamt ein herrlicher, gelungener Mama-Wellness-Tag 🙂

Am nächsten Morgen erwartete mich eine lächelnde Mima in ihrem Bettchen. Ich freute mich, sie wieder in die Arme zu schließen: All you need is:

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