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Her royal beauty: Mit der Frisöse in den Kreißsaal

Wie sieht Otto-Normal-Mama zehn Stunden nach einer Geburt aus?

Schön und strahlend wie immer lächelte sie in die Kameras der Papparazzi: Herzogin Kate nur zehn (!!!) Stunden nach der Geburt ihrer Tochter Charlotte. Überall sah man die Bilder. Prima, endlich mal gute Nachrichten zwischen all den schlimmen Dingen, über die sonst so berichtet werden muss. Ich war blass erstaunt – wie kann man kurz nach einer Geburt SO aussehen? Perfekt aus dem Ei gepellt und schon fast wieder schlank. Meine Freundinnen, die auch kleine Kinder haben, haben sich auch gefragt, wie so was sein kann. Klar, mit viel Kohle und Stylisten! In einem Facebook-Post von Bunte war dieser Tage zu lesen, dass Kate ihre Stylistin ins Krankenhaus kommen ließ und auch noch ihre Frisöse. Und dann stand da noch, dass sie diesmal nicht ganz so natürlich aussah wie nach der Geburt ihres ersten Sohnes George. Von wegen mehr Make Up und kaschierender Kleidung und so.

Normalerweise habe ich die Bunte ja nicht zu Hause. Ich lese sie immer beim Frisör oder wenn ich bei meiner Mutter bin, dann aber umso ausgiebiger. Dann bin ich auch wieder up to date, wer sich gerade von wem getrennt hat, wer geheiratet hat und welches C-Filmsternchen gerade durch schlechtes Styling aufgefallen ist. Aber nun griff sogar die FAZ das Thema auf: Durchaus mit einem ironischen Touch – gut so. Denn seien wir mal ehrlich: So etwas macht einer Otto-Normal-Mama fast schon ein bisschen Angst. Wie sah ich vor 18 Monaten nach der Geburt aus? Einfach nur fertig statt strahlend! Nach einem dreitägigen Geburtsmarathon mit heftigen Wehen, der schließlich kurz vor der totalen Erschöpfung mit einem Kaiserschnitt endete, sah ich so aus wie ich mich fühlte: Wie vom Bagger überfahren und dann „durch die Bach geschleift“. Statt in Hahnentritt-Kleid und Jimmy-Choo-Stilettos empfing ich die Familie am nächsten Tag im labbrigen Schwangerschafts-Jogging-Anzug. Die Hormone gaben mir den nötigen Kick, um ein bisschen zu lächeln und mich trotz Riesen-OP-Narbe aufrecht zu halten. Kein Hypno-Birthing und keine Stylisten zu sehen wie bei Kate. Wenn ich mir heute die Fotos kurz nach Mimas Geburt anschaue, dann ist das einzig schöne darauf mein Baby 😉 Das sind eben Fotos aus dem „real life“.

Da Mima sich auch kurz nach ihrer Geburt in den Kopf gesetzt hatte, dass sie pausenlos gestillt werden wollte, konnte ich in der gesamten Krankenhauszeit weder ein Auge zutun, noch auch nur den geringsten Gedanken an irgendein Make Up fassen. Ganze zwei Mal schaffte ich es innerhalb dieser Woche in die Dusche. Für eine Stylistin und eine Frisöse hätte ich da auch gar keine Zeit gehabt, es sei denn, meinem persönlichen Dienstboten-Stab hätte auch noch eine Amme angehört. Auch das Outfit musste in den nächsten Monaten leiden: Es passte mir nämlich nix mehr. Da ich keinen Personal-Trainer besitze, der mich zwei Mal pro Tag bei Yoga und Krafttraining anleitet, hat sich bis heute ein Bäuchlein gehalten. Aber immerhin passe ich jetzt wieder zumindest teilweise in Kleidergröße 38 und habe mir auch ein schönes gelbes Kleid gekauft wie Kate (wenn auch nicht mit Hahnentritt-Muster und auch nicht vom Designer).

Ehrlich gesagt, möchte ich trotz des schönen Bildes, das die Herzogin in der Öffentlichkeit bietet, um kein Geld der Welt mit ihr tauschen. Auch wenn sie Nannys, Stylisten, Frisöre, Personal-Trainer und Designer um sich schart. Ich möchte niemals so in der Öffentlichkeit stehen. Allein der Druck, zehn Stunden nach einer Geburt (was ein sehr persönlicher und unglaublich emotionaler und familiärer Moment ist), vor eine Presse-Meute treten zu müssen und zu wissen, dass die Bilder um die ganze Welt gehen! Das möchte ich nicht erleben. Nach der Geburt wollte ich eigentlich nur mit meinem Baby zusammen sein und es in Ruhe kennenlernen. Vielleicht wollte Kate das ja auch lieber? Wer weiß, wie sie sich während des ganzen Styling- und Foto-Zirkus gefühlt hat? Respekt für ihr Aussehen, aber ne, ne, da möchte ich nicht tauschen! Dann lieber den Familienbesuch mit ungewaschenen Haaren empfangen!

Aber wenn schon bei der Gelegenheit ein bisschen Träumen erlaubt ist, dann hätte ich gerne Kates Putzfrau, die könnte dann zumindest das von mir so heiß geliebte Putzen des Badezimmers und der Küche übernehmen. Und dann hätte ich gerne noch einen Koch, der natürlich nur gesunde und frische Spezialitäten in einer kreativen Vielfalt zubereitet (vielleicht auch ab und an mal Sushi ;-). Es gibt ja Mamas, die mit Hingabe in der Küche stehen, zu dieser Spezies gehöre ich aber nicht. Jede Woche zerbreche ich mir aufs Neue den Kopf, was ich denn nun schon wieder kochen soll und wie es am aller-turbo-schnellsten geht. Ja und dazu dann noch den Personal-Trainer, der mir hilft, die ganzen Kalorien, die sich beim Schlemmen angesammelt haben, wieder zu verbrennen. Eine schöne royale Welt! Wenn ich mir aber dazu vorstelle, auf Schritt und Tritt von Papparazzi verfolgt zu werden, von einem Termin zum nächsten zu jagen und gar keine Zeit mehr für mein Kind zu haben – ja, dann tun es auch meine bescheidenen Kochkünste und mein Aerobic-Kurs einmal die Woche. Ich bin ganz zufrieden damit, eine Otto-Normal-Mama zu sein und Mima nicht im Scheinwerferlicht zu wissen 😉

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„Wie schön wärs jetzt beim Zahnarzt!“

Wie man einen dreitägigen Geburts-Marathon durchsteht

„Wenn ich erfahren würde, dass ich schwanger bin, würde ich direkt einen Termin machen, wann das Baby rausgeschnitten wird“, sagte Moderatorin Ina Müller in ihrer Sendung „Inas Nacht“. Ich lag auf der Couch und schaffte es gerade so, über die Kugel zu lugen, die mein Bauch war. Drinnen vollführte gerade ein kleiner Mensch eine Ballett-Chorographie. Ich war im gefühlten 10. Monat schwanger, schon einige Tage über dem errechneten Geburtstermin und wartete darauf, dass es endlich losging. „Was babbelt die denn da für einen Blödsinn?“ fragte ich mich, denn ich wünschte mir nur eins: eine natürliche Geburt. Nun, ich sollte mich noch an Ina Müllers Spruch erinnern.

Ein paar Nächte später wachte ich von einem Plopp-Geräusch auf. Gleich darauf durchzog meinen Bauch ein dumpfer, durchdringender Schmerz. „Oh mein Gott, jetzt geht es los, so fühlen sich also echte Wehen an“, dachte ich halb erleichtert, halb nervös. Ich weckte meinen Mann und wir fuhren ins Krankenhaus, wo ich an den Wehenschreiber kam. Doch die Hebamme verkündete: „Da geht noch nichts. Sie können wieder nach Hause fahren.“ Das wollte ich eigentlich gar nicht hören, ich wollte endlich mein Baby haben.

Wir fuhren nach Hause und legten uns wieder „schlafen“. Ich dachte an die Nächte, als ich noch im Schichtdienst arbeitete und um 3 Uhr mitten in der Nacht für die Frühschicht aufstehen musste. Als ich mich Stunde um Stunde schlaflos und schwitzend in den Laken gewälzt und verzweifelt auf die Uhr gestarrt hatte. Das Ganze immer von Albträumen vom Zuspätkommen durchzogen, so lange, bis es 3 Uhr war und Zeit, um sich fertig zu machen. Jetzt sehnte ich mich nach so einer Nacht! Sie war die reinste Erholung gegenüber dieser, die aus Eindösen, Schmerzen und wieder Aufwachen bestand, bis es endlich Morgen war. Da dachte ich nur noch ein eines: eine erlösende PDA. Ich weckte meinen Mann und wir fuhren wieder ins Krankenhaus, wo ich sofort rief: „Ich will eine PDA!“ Aber die Hebamme zuckte nur mit den Achseln. „Dazu ist es jetzt noch viel zu früh.“

Eine Bekannte hatte mal erzählt, der Geburtsschmerz sei der zweitschlimmste gleich hinter dem Verbrennen. Ich dachte an Sätze aus dem Schwangeren-Yoga wie „Der Schmerz ist dein Freund“. Aber irgendwie schaffte ich es nicht, mit ihm Freundschaft zu schließen. Da fiel mir eine Yoga-Übung ein: Tief einatmen und auf ein lautes „AAAAAAA“ wieder ausatmen. Das hatten wir immer wieder geübt. Es sollte entlasten und gleichzeitig den Muttermund öffnen. Also begann ich, den gesamten Kreißsaal mit meinem Mantra zu unterhalten, als die Hebamme hereinkam und mir befahl, in die Badewanne zu steigen. „Nein, ich will nicht! Ich will nur eine PDA!“ „Das geht jetzt nicht und das Wasser ist schon drin. Ich helfe Ihnen beim Ausziehen.“ Oh nein – Widerstand zwecklos. Gehorsam stieg ich ins heiße Wasser. Erstaunt stellte ich fest, dass ich etwas entspannen konnte, weil der Schmerz nachließ. Allerdings ging es nach dem Wannenbad direkt wieder los. Da schlich sich zum ersten Mal ganz leise der Gedanke an den Spruch von Ina Müller ein. Ich verdrängte den Gedanken gleich wieder. Für die Nacht bekam ich Wehenhemmer und konnte tatsächlich schlafen.

Am nächsten Tag entdeckte ich den Gymnastikball für mich. Wenn ich darauf kreiste, ließ sich der Schmerz eine Zeitlang überlisten. Auch das AAAAA-Mantra half mir weiter. Abends wurde es dann wieder schlimmer. Ich legte mich ins Bett und versuchte, still vor mich hin zu leiden. Mein Mann hatte sich inzwischen mit einem Kebab gestärkt. Ich wollte ihn nach Hause schicken, aber er baute sich aus Stühlen ein Bett und blieb bei mir – zum Glück! Um 2 Uhr nachts kamen wir dann wieder in den Kreißsaal. „Jetzt ist der Muttermund vier Zentimeter offen, die Geburt beginnt“. In meine Freude mischte sich ein seltsames Gefühl, bis mich die Erkenntnis wie ein Blitz traf: „Wie, die letzten 48 Stunden waren etwa keine Geburt?!?“ fragte ich. „Nein, das war nur Vorgeplänkel“ entgegnete die Hebamme fröhlich. Ich schluckte. All die Wehen sollten umsonst gewesen sein? Meine Gedanken wanderten wieder zu Ina Müller und ihrem Spruch, der vielleicht gar nicht so blöd war. Und dann dachte ich noch was, von dem ich niemals gedacht hatte, dass ich es jemals denken würde: „Wie schön wäre es jetzt beim Zahnarzt!“ Normalerweise habe ich vor dem eine richtige Phobie, so dass ich einmal vier Jahre lang keine Vorsorgeuntersuchung machen ließ, aus Angst, er könnte bohren wollen. Wenn ich genauer darüber nachdachte, war der Schmerz beim Zahnarzt zwar heftig, aber dann irgendwann auch wieder vorbei. Und vor allem war er nur am Zahn und nicht noch im Bauch, Rücken, Becken, Oberschenkeln und den Kniekehlen!

„Ich schätze mal, so acht bis neun Stunden könnte es noch dauern, bis das Baby da ist“, riss mich die Hebamme aus meinen Gedanken. Acht Stunden?? Da ich schon 48 hinter mir hatte, würde ich die auch noch schaffen. Ich würde einfach die Zähne zusammenbeißen (anders als beim Zahnarzt, ha, ha!) „Und nachher kommen die Anästhesisten für die PDA“, fügte die Hebamme hinzu. Endlich, die Erlösung nahte! Vor einer PDA hatte ich immer etwas Angst gehabt, weil ja in den Rücken gestochen wird und wer weiß, ob das nicht auch höllisch wehtut. Tat es aber nicht. Die PDA breitete sich wohlig in meinem Körper aus und nahm den Wehen die Schärfe.

Im Gegensatz zu mir ging es meinem Baby zum Glück die ganze Zeit gut. Sein kleines Herz hüpfte, es hatte es schön warm und gemütlich – und dachte in den folgenden Stunden nicht im Traum daran, seine schöne Einzimmerwohnung mit Kost und Logis aufzugeben. Mein Mann war bei der ganzen Prozedur tapfer dabei, trug meine Handtasche, rief mal zu Hause an und reichte mir morgens um 7 Uhr auf Verlangen einen Apfel, weil ich einen pelzartigen Geschmack im Mund hatte. Nach einem Bissen hatte ich aber schon keinen Hunger mehr, der Geschmack wurde noch schlimmer. Die PDA kam kaum noch gegen den Schmerz an, der sich jetzt wieder an die Oberfläche kämpfte. Als mein Mann mir tröstend die Hand auf die Schultern legen wollte, schrie ich auf. Ich hatte das Gefühl, ein Radlader drückt mich nieder.

Um zehn Uhr kam schließlich der Arzt. „Das geht aber nicht richtig voran“, sagte er. Der Gedanke an Ina Müller wurde übermächtig. Ich musste mir die Hand vor den Mund halten, um nicht zu schreien: „Dann schneiden sie das Baby raus!“ Brav befolgte ich seine Anweisungen, presste, krabbelte auf allen Vieren, zog mich an einem Seil nach oben. Aber auch durch diese Verrenkungen und Bestechungsversuche ließ sich mein Baby nicht animieren, den Weg nach draußen anzutreten. Ein paar Stunden später kam wieder der Arzt. „Also jetzt haben wir einen Geburtsstillstand. Wir machen einen Kaiserschnitt.“ Mir sank das Herz in die Kniekehlen – einerseits vor Angst und Enttäuschung, andererseits aber vor Freude und Erleichterung. Bald würde ich endlich mein kleines Baby in den Armen halten, nach dem ich mich so gesehnt hatte.
Mit diesen gemischten Gefühlen ging es in den OP. Auch mein Mann durfte im grünen Kittel mit. Das gab mir Sicherheit. Weil ich ja schon eine PDA hatte, mussten die Anästhesisten das Schmerzmittel nur noch verstärken. Als ich betäubt und ein Sichtschutz aufgebaut war, merkte ich, wie es ruckelte und zuckelte. Ich lauschte voll Erwartung hinter die Tuchwand und da, endlich, endlich, hörte ich es: Ein kräftiger kleiner Schrei erfüllte den Raum! Das war unser Baby! Ich war ganz gerührt, als ich zum ersten Mal ihre Stimme hörte. Dann kam die Hebamme zu uns und legte den kleinen, noch verschmierten Menschen neben mich und meinen Mann. „Wow, sie ist genauso hübsch, wie ich sie mir vorgestellt habe“, war mein erster Gedanke. Sie sah tatsächlich genauso aus wie auf dem 3D-Ultraschall, den wir einige Wochen vorher hatten machen lassen. Freude, Glück und Erleichterung durchfluteten mich und auch meinen Mann. „Herzlich willkommen bei Mama und Papa, kleine Mima!“ flüsterten wir mit feuchten Augen. Alles war überstanden, Baby und Mama gesund – das größte Geschenk von allen!

Der Rest ist im Nachhinein egal. Und heute, genau ein Jahr nach dem Geburtsmarathon, bin ich froh, dass es uns gut geht, wir keine Schmerzen haben und meine kleine, große Mima schon ihren ersten Geburtstag feiert 🙂 Sollte Mima irgendwann einmal ein Geschwisterchen bekommen, werde ich vielleicht direkt Ina Müllers Ratschlag befolgen.