Schutzengel leistet tolle Arbeit

Als Mama kann man nicht genug aufpassen, wenn quirlige Kleinkinder die Welt entdecken wollen

Riesiges Glück gehabt haben wir letzte Woche. Mimas Schutzengel hat ganze Arbeit geleistet und dafür sind wir sehr dankbar. Der Schreck sitzt uns immer noch tief in den Knochen. Ich hatte einen Moment nicht aufgepasst und schon war es passiert.

Der Tag begann schön und sonnig. Für den Nachmittag waren wir bei Freunden eingeladen, die auch ein Kind in Mimas Alter haben. Wir Mamas wollten gemütlich einen Tee trinken und die Kinder zusammen spielen lassen. Ein schöner Plan! Voller Vorfreude machten Mima und ich uns auf den Weg. Uns erwartete eine gedeckte Kaffeetafel mit Obst und Kuchen. Meine Freundin kochte Tee. Wir nahmen Platz. Ich nahm Mima auf den Schoß und wollte ihr einen Teller mit Obst und Keksen zurecht machen. An die dampfende Teetasse zu meiner Rechten dachte ich für einen Augenblick nicht mehr. Und da geschah das Unglück. Es ging alles blitzschnell. Meine Freundin rief noch die erste Silbe des Wortes „Achtung“, zu mehr reichte es nicht mehr. Mima hatte den Henkel der Teetasse gegrabscht und zu sich gezogen. Ich merkte nur noch, wie eine heiße Flüssigkeit über mein Bein lief und hörte sie markerschütternd schreien. Dann hörte ich Scherbenklirren und meine Freundin rufen. Ich sah an Mima hinunter und erschrak zu Tode. Sie hatte sich den heißen Tee übergekippt.

„Schnell zum Waschbecken! Kaltes Wasser!“ Meine Freundin reagierte sofort. Wir trugen Mima zum Waschbecken und ließen das kalte Wasser über sie und ihre Kleider laufen. Sie schrie und wir merkten, dass das Waschbecken zu eng war. „Unter die Dusche!“ rief meine Freundin. Wir stellten sie immer noch in Kleidern dort hin und duschten sie eiskalt ab. Eine Träne lief meine Wange hinunter, während sich meine Gedanken überschlugen: Mein armes, kleines Mädchen stand dort. Zitternd, schreiend und mit roter Haut. „Oh Gott, ich bin schuld! Warum habe ich nicht besser aufgepasst? Wie konnte mir das nur passieren, wo ich doch vorgewarnt war!“

In der Tat war ich über 20 Jahre Mitglied im Roten Kreuz und kenne mich mit erster Hilfe aus. Aber, wenn es ein Familienmitglied – und am allerschlimmsten – das eigene Kind betrifft, ist die Situation ganz anders. Ich dachte an einen Fall, den mir Bekannte erzählt hatten. Auch hier hatte der kleine Sohn eine Teetasse von der Anrichte gezogen und sich den Hals und den gesamten Bauch verbrüht. Auch hier hatte die Mutter richtig reagiert und den Kleinen sofort unters kalte Wasser gehalten. Das Kind musste mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht werden, weil Lebensgefahr bestand. Genau das jagte mir durch den Kopf und ich bat meine Freundin, den Notruf zu wählen. Dann wechselte ich Mimas Windel und wickelte sie in einen Bademantel und ein Handtuch. Wir gaben ihr den Schnuller und setzten uns, während wir auf den Krankenwagen warteten. Meine Freundin versuchte, mich zu trösten. Mir tat das unheimlich gut und es gelang mir auch, Mima ein wenig zu trösten.

Trotzdem jagten mir die Gedanken an diesen Fall aus dem Bekanntenkreis durch den Kopf. Der Junge hatte damals mehrere Wochen in der Klinik verbringen müssen und monatelang ein spezielles Hemdchen anziehen müssen, damit keine Narben blieben. Ich machte mir schreckliche Sorgen um mein armes, kleines Mädchen! Warum nur hatte ich nicht aufgepasst? Ich war doch verantwortlich für Mimas Wohlergehen! Bange Minuten des Wartens, die wie zäher Honig vergingen. Dann kam endlich der Rettungswagen. Zwei freundliche Männer versuchten erst einmal, beruhigend auf mich einzureden. Mima fing an zu weinen. Da zauberten sie einen Teddy aus ihrer Tasche und konnten sie dann anschauen. „Sieht nicht so schlimm aus. Die Haut ist nur gerötet und es haben sich keine Blasen gebildet, das ist sehr gut. Wir fahren jetzt erst mal in die Kinderklinik.“ Ich war ein bisschen erleichtert, aber ich fühlte mich trotzdem furchtbar. Einer der Rettungssanitäter unterhielt sich mit mir. „Wissen Sie, Sie können die größte Glucken-Mutter aller Zeiten sein und trotzdem können Sie nicht alles verhindern. Da kommt später noch mehr. Irgendwann fahren die Kinder Fahrrad, Skateboard oder Inliner, da kann auch was passieren. Ich bin jetzt schon über 40 Jahre beim Rettungsdienst und habe da so meine Erfahrungen.“ Diese Aussage tröstete mich etwas, obwohl ich natürlich alles tun werde, damit wir nicht mehr in einen Krankenwagen steigen müssen.

In der Klinik angekommen, erwartete uns schon ein sehr freundlicher Arzt. Mima fasste gleich Vertrauen und ließ ihn auf ihren Bauch und ihr Bein schauen. „Prima! Sehr gut gemacht, man sieht auf der Haut gar nichts mehr. Sie benötigt noch nicht einmal Salbe. Ich schreibe Ihnen einen Ambulanzschein und Sie dürfen nach Hause. Wenn alles so bleibt, braucht sie auch keine Nachkontrolle. Sollten doch rote Flecken auftauchen, gehen Sie bitte zum Kinderarzt“, meine er. Ich konnte unser Glück kaum fassen und fragte noch dreimal nach, ob wirklich alles in Ordnung sei. Ich zog Mima ihre Ersatzkleider aus der Wickeltasche an und sie lief gleich im Behandlungszimmer herum und wollte dort alles erkunden. Danach konnten wir nach Hause. Welch ein wahnsinniges Glück hatten wir gehabt! Ich bin meiner Freundin, die so beherzt reagiert hat, und Mimas Schutzengel unendlich dankbar.

Ich habe mir vorgenommen, in Zukunft viel besser aufzupassen. Tassen mit heißen Flüssigkeiten kommen nur noch auf den Tisch, wenn Mima sicher in ihrem Kinderstuhl sitzt!

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