Barbiepuppe oder Mama-Figur?

Abnehmen oder zu den Pfunden stehen? – Eine interessante Frage!

„Wieso nimmt die nicht mal ab? Die Schwangerschaft ist doch jetzt schon über ein Jahr her!“, das könnte man denken, wenn man meinen Bauch heute mit meiner Figur von „früher“ vergleicht. Etwas ausgeleihert ist der Bauch, seit er dem Kind eine komfortable Wohnung geboten hat und rund um die Hüften ist es auch noch etwas mehr. Früher dachte ich immer, mit ein wenig Bauchtraining und Rückbildung ginge das wieder weg. Aber so einfach ist es nicht und die Frage ist auch: Muss es denn unbedingt wieder weggehen? Kann ich nicht stolz auf das sein, was mein Körper Enormes und Wunderbares geleistet hat? Dürfen davon nicht auch Spuren bleiben?

Die Gesellschaft meint: Nein! An allen Ecken und Enden grinsen uns scheinbar makellose, dürre Schönheiten von Plakaten an und in der Werbung wird uns vorgegaukelt, ein magerer Körper sei das einzig Wahre. Dabei lassen Stars teilweise ihre Körperteile doubeln, die sie selbst nicht schön finden und die Models werden mit Photoshop nachbearbeitet. Mit dem könnte ich auch ganz leicht abnehmen. Es wären nur ein paar Klicks und ich könnte dabei noch Schokolade essen 😉

In der Huffington Post hatte ich vor einigen Monaten einen tollen Artikel einer Mama gelesen, die stolz auf ihren Körper war, auch wenn er nicht dem „gängigen Schönheitsideal“ entsprach. (Erlaubt sei hier noch die Frage, was überhaupt Schönheit ist?) Außerdem gab es in der lokalen Zeitung vor einigen Wochen eine kleine Meldung über eine bekannte Hollywood-Schauspielerin, die drei Kinder hat und ebenfalls dazu steht, dass ihr Bauch nun anders aussieht als vorher. Im Internet habe ich mich für diesen Post auf die Suche nach diesen beiden Artikeln gemacht – erfolglos! Wisst ihr, was das Einzige war, was ich gefunden habe?? Nur Einträge wie: „Schlaffer Bauch nach Schwangerschaft – wie krieg ich ihn weg?“ „Fitness – Bauch wegtrainieren“ „Flacher Bauch – so geht’s“. Nirgendwo auch nur ein einziger Eintrag dazu, wie man sich selbst gut findet! Das zeigt mal wieder, wie unsere Welt so tickt. Was soll dieses zweifelhafte Schönheitsdiktat? Warum lassen wir uns nervös machen, wo doch sogar die Stars ihre „Problemzonen“ doubeln lassen? Warum sind wir so unzufrieden, wenn wir wie 90 Prozent der Bevölkerung eben keinen perfekt gestählten Body haben?

Ob Abnehmen oder nicht – jeder sollte es so handhaben, dass er sich in seinem eigenen Körper wohlfühlt und dass es ihm gut geht. Gesund bleiben ist immer noch das Wichtigste, ein paar Kilos hin oder her. Gelegentlich lasse auch ich mich von diesem „Schönheitswahn“ anstecken, auch wenn ich es eigentlich nicht will. In die Schwangerschaft gestartet war ich mit Idealgewicht. Die genaue Kilo-Zahl weiß ich gar nicht, da ich seit Jahren bewusst keine Waage mehr besitze. Das Zunehmen in der Schwangerschaft fand ich gewöhnungsbedürftig, aber ich freute mich sehr, als man den Babybauch deutlich als solchen erkennen konnte und war stolz darauf.

Am Ende der Schwangerschaft brachte ich dann 72 Kilo auf die Waage. Damit wog ich mehr als mein Mann. Ein seltsames Gefühl, aber es war ja „für den guten Zweck“. Nach der Geburt nahm ich mir vor, an Mimas erstem Geburtstag wieder mein Gewicht zu haben. Mit guten Vorsätzen ist es aber meistens so wie mit guten Ratschlägen: Sie werden in den Wind geschlagen! Und so bin ich heute immer noch gute 5 bis 6 Kilo von meinem Ziel entfernt (schätzungsweise, denn ich habe ja keine Waage). Ich esse etwas mehr als vor der Schwangerschaft, vor allem Kohlenhydrate. Vor dem Kind habe ich Brot am Abend gemieden und mir lieber einen Salat gemacht. Außerdem habe ich mich nur äußerst selten zu einem Stück Kuchen am Nachmittag überreden lassen.

Das ist jetzt anders geworden. Mima bekommt alle drei Stunden etwas zu essen, natürlich auch nachmittags. Und weil es so gemütlich ist, mache ich mir schnell einen Latte Macchiato. Dazu muss noch was Süßes. Als Mama wird man außerdem zu vielen Kaffeekränzchen und Babytreffs eingeladen, bei denen es die leckersten Kuchen gibt. Abends esse ich jetzt auch viel lieber Brot. Erstens bin ich viel zu faul, mir noch einen Salat zu machen und zweitens werde ich davon auch nicht mehr satt. Und ich muss satt werden, denn ich brauche meine Nerven. Mima läuft und krabbelt gern überall hin, vorzugsweise dorthin, wo es verboten ist. An manchen Tagen muss ich sie gefühlte 100 Mal von unseren Pflanzen fern halten. Dann ist die Stereoanlage dran, die wir in idealer Höhe für kleine Händchen stehen haben und so weiter. Abends bin ich dann einfach fertig und gönne mir auf der Couch noch einen kleinen Snack. Was machen schon so ein paar Lakritze oder das bisschen Chips?

Im Gegensatz dazu kam der Sport im letzten halben Jahr viel zu kurz. Meinen Vertrag im Fitnessstudio hatte ich nach der Geburt gekündigt. Er war mir viel zu teuer und zum Schluss machte mir der Sport dort keinen Spaß mehr. „Dann geh doch joggen!“, habe ich schon oft gehört. Hier lautet die Antwort eindeutig: „NEIN!!!“ Das wäre zwar einfach umzusetzen, aber ich hasse joggen! Und wenn ich Mima schon abgebe, dann nur für Sport, der mir auch Spaß macht.

Wenn ich dann in den Spiegel schaue, denke ich „Ich bin so wie ich bin und das ist gut so.“ Der Artikel aus der Huffington Post kam mir wieder in den Sinn. Von der Mama, die ihrem Körper gedankt hat, weil er in der Schwangerschaft etwas Wundervolles geleistet hat. Ja, es ist ein Wunder, dass ein kleiner Mensch neun Monate lang in meinem Körper gewachsen ist 🙂 Und wir sind beide gesund. Das ist doch das Wichtigste überhaupt. Den Ursprungsartikel habe ich im Netz leider nicht mehr gefunden. Dafür aber den inspirierend offenen Brief einer selbstbewussten Frau. Die fünffache Mama hatte es „gewagt“, sich im Bikini zu zeigen und war von Leuten wegen ihres Bauches gehänselt worden. Es ist unfassbar, wie gemein die Gesellschaft manchmal ist! Die mutige Mama hat dann schließlich einen Brief an die fiesen Leute geschrieben. Den fand ich richtig gut.

Auch ich habe grundsätzlich beschlossen, mich selbst zu mögen. Das gelingt mir mal mehr, mal weniger gut. Letztes Jahr im Dezember gelang es mir wieder einmal weniger und in einem Anfall von „Ich muss jetzt was tun“ habe ich ein teures Diätpaket bestellt. Eine Woche lang nur Shakes und Cracker sollte es geben. Ich fand aber immer einen Vorwand, warum ich das gerade jetzt eben NICHT durchziehen kann. Immerhin war Weihnachten und Silvester und Freunde luden uns zum Essen ein. Also steht das teure Paket immer noch in unserer Speisekammer herum (ein schönes Paradoxon 😉 Eigentlich habe ich gar keine Lust mehr, „es durchzuziehen“. In der Fastenzeit wäre ja ein guter Zeitpunkt, naja, vielleicht, mal schauen 😉 Vielleicht verkaufe ich das Paket aber auch einfach wieder – wer weiß!

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6 Gedanken zu „Barbiepuppe oder Mama-Figur?

  1. Katharina von M.O.M.M.- MoJo on my mind

    Barbiepuppe oder Mama-Figur? Sehr gute Frage 😉 Ich muss sagen, dass mich persönlich die Kilos, die ich jetzt nach der Schwangerschaft im Vergleich zu meinem Ausgangsgewicht noch drauf habe, SEHR stören ! Das vermiest mir echt den Blick in den Spiegel und ich tue viel dafür, dass ich bald wieder in alle meine alten Jeans reinpasse. Ich bin einfach nicht glücklich mit meiner jetzigen Figur. Manchmal wünsche ich mir aber, dass es anders wäre. Dass ich meinen Körper so lieben könnte, wie er jetzt ist und mich damit beruhigen könnte, dass es ja erst 5 Monate her ist, dass ich ein Kind zur Welt gebracht habe. Naja, vielleicht ist das auch eine Sache des Selbstbewusstseins 😉 Ich bewundere Mamis, die einfach zu ihrer Mama-Figur stehen und sich wohl in ihrer Haut fühlen =)

    Antwort
    1. mamamajsan Autor

      Das kenne ich. Mich hat es auch schon sehr gestört. Vor allem wenige Monate nach der Geburt, als ich noch Schwangerschaftshosen tragen musste. Generell sagt man, eine Schwangerschaft kommt ein Jahr lang und geht wieder ein Jahr. Das fand ich sehr tröstlich 😉 Generell sollte es jeder so handhaben, wie er sich wohl fühlt, aber setz dich nicht zu sehr unter Druck. Schließlich ist es wirklich ein Wunder, was dein Körper geleistet hat. Ich gebe zu, dass ich im Schwimmbad auch den Bauch einziehe 😉 Die Geschichte wird sicher noch fortgesetzt 😉

      Antwort
  2. Manati

    Sehr interessant…ich bin schon gespannt, wie ich nach der Schwangerschaft reagiere. Auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass die Annahme „danach wird es wieder genauso wie vorher“ sehr unrealistisch ist- irgendwie hoffe ich das natürlich schon 😉 Was ich jetzt im 7. Monat schon schlimm finde, ist nicht das Gewicht an sich, sondern dass ich einfach schlaff werde- Po, Oberschenkel- alles wird celluliteartig. Wah! Und meine Taille ist weg- sie hat einen Zuwachs von 8 cm!!!! Dabei is der Bauch selbst gar nicht so groß, aber ich werde einfach undefiniert. Tja, so siehts aus :-/
    LG, Manati

    Antwort
    1. mamamajsan Autor

      Das kenne ich auch 😉 Aber keine Sorge, die Taille kommt sicher wieder! Es ist auch bei jedem anders. Ich denke, dass wir Frauen uns selbst oft viel zu kritisch sehen. Viele Menschen finden schwangere Frauen sehr attraktiv. Genieße noch die restliche Schwangerschaft und gönne dir und deinem Körper was Gutes, zum Beispiel einen Frisörbesuch oder einen Yogakurs. Mir hat damals beides sehr gut getan 🙂
      LG Mama Majsan

      Antwort
    2. mamamajsan Autor

      Das kenne ich auch 😉 Aber keine Sorge, die Taille kommt sicher wieder! Es ist auch bei jedem anders. Ich denke, dass wir Frauen uns selbst oft viel zu kritisch sehen. Viele Menschen finden schwangere Frauen sehr attraktiv. Genieße noch die restliche Schwangerschaft und gönne dir und deinem Körper was Gutes, zum Beispiel einen Frisörbesuch oder einen Yogakurs. Mir hat damals beides sehr gut getan 🙂
      LG Mama Majsan

      Antwort
  3. Pingback: 1:0 für den inneren Schweinehund | mamamajsan

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