Vom Kaminfeuer geröstet

Erfahrungen aus der Pekip-Frühförder-Sauna

„Pekip – was soll denn das bedeuten?“ haben mich viele Freunde und Verwandte mit irritiertem Blick gefragt, als ich ihnen von unseren Plänen erzählte. „Na, das steht für „Prager Eltern-Kind-Programm, eine Frühfördermethode für Babys. In einer Gruppe spielt man mit ihnen und gibt ihnen Anregungen für die Sinne“, entgegnete ich, ganz die Expertin. Ehrlich gesagt, war mir Pekip vor meiner Zeit als Mama auch kein Begriff. Weil eine Freundin von mir aber so davon geschwärmt hatte, wollte ich Mima und mich unbedingt zu so einem Kurs anmelden. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn die meisten Kurse sind schon ausgebucht, wenn man anfragt. Da gilt fast das selbe wie mit der Kinderbetreuung in Großstädten: Am besten schon in der Schwangerschaft anmelden! Naja, so wichtig ist es dann auch wieder nicht, wie ich bald feststellen sollte.

Nachdem ich bei zwei Vereinen angefragt hatte, meldete sich nach Wochen eine Kursleiterin und lud uns zu einem Kurs zu sich nach Hause ein. Ihr Wohnort war allerdings eine halbe Stunde Autofahrt entfernt. Wollte ich das, mit Baby so weit fahren für 90 Minuten Kurs? Aber ja, Pekip ist ja schließlich so pädagogisch wertvoll! Ich meldete mich an und zahlte das Kurshonorar im Voraus. Vor der ersten Stunde war ich ein bisschen aufgeregt. Mima fertigmachen, noch duschen, so kann ich schließlich nicht aus dem Haus. schnell alles einpacken – habe ich auch nix vergessen? Ach ja, das Fläschchen und die Decke, ach, und noch ein paar Windeln – man weiß ja nie. Wie immer lief mir die Zeit davon. Schwitzend und mit rotem Kopf schleppte ich Taschen und Baby im Maxi Cosi (gefühlt zentnerschwer!) zum Auto und düste in letzter Minute los.

Völlig abgehetzt kam ich schließlich an einem alten Bauernhaus an. Hier sollte also der Kurs stattfinden? Die Kursleiterin erwartete uns schon in der Tür und durch ein großes Fenster sah ich Frauen mit ihren Babys. Hier war ich also richtig und – Zeitmanagement war noch nie meine Stärke – als Einzige zu spät! Alle saßen schon da und schauten mich erwartungsvoll an. Da beim Pekip die Babys nackt sind, war es in dem Raum bolle-warm. Ich schaute mich nach einem freien Platz um und leise Verzweiflung machte sich in mir breit. Die einzige Lücke, die es gab, war die direkt vorm Ofen, in dem ein großes Feuer loderte. Und das mitten im April, wo es draußen schon 20 Grad waren. „Oh nein, das darf nicht wahr sein!“ dachte ich, aber was erduldet man nicht alles, um seinem Schatz was pädagogisch Wertvolles zu bieten? Alle starrten nur auf mich, denn alle anderen Mütter und sogar ein Vater hatten ihre Kinder schon ausgezogen und kursbereit hingelegt. Hektisch schälte ich Mima aus ihren Klamotten. Mittlerweile war mein Rücken rot wie ein Krebs vom Kaminfeuer. Der Schweiß rann in kleinen Bächen meine Schläfen hinunter und meine Klamotten bekamen langsam aber sicher immer größere Schweißflecken. Sehr angenehm! „Hätte ich mir die Viertelstunde Dusche gespart, wäre ich rechtzeitig gekommen“, dachte ich so bei mir. Eine Dusche und ein kühles Wasser – das waren eh die einzigen Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, während mich der Ofen langsam aber sicher von hinten „durchröstete“.

Mima fand das Ganze etwas besser als ich. Sie wurde schließlich mit einer Feder von Kopf bis Fuß gekitzelt und durfte sich Spielzeug aussuchen. Wir Mamas und Papas mussten das Spielzeug beschreiben und was die Kinder damit tun. Zwischendurch gab es noch kleine Gespräche und Lieder, bei denen wir die Kinder herumtrugen. Mittlerweile war ich völlig durchweicht, meine Klamotten „wie durch die Bach gezogen“, in meiner Vorstellung trank ich schon kein Glas Wasser mehr aus, sondern ein ganzes Fass! Plötzlich merkte ich noch eine Flüssigkeit, allerdings warm. Wo kommt das jetzt her? Die Quelle war schnell ausgemacht, meine Mima hatte ja keine Windel an. Gut, so hatte ich mir das mit dem Wasser NICHT vorgestellt. Nach über einer Stunde war der Kurs dann für dieses Mal vorbei. Wir sangen ein Lied, bei dem wir die Kinder wieder anzogen und aus dem Raum trugen. Gott sei Dank, die Erlösung! Mein Rücken wies schon fast eine Bratenkruste auf. Ich stürmte hinaus an meine Tasche und musste mit Entsetzen feststellen, dass ich alles eingepackt hatte, außer dem Wasser für mich. Völlig verschwitzt und ausgetrocknet fuhr ich dann nach Hause, wo ich sehnsüchtig drauf wartete, dass Mima einschlief, damit ich endlich zum zweiten Mal an diesem Tag duschen und vor allem frische Klamotten anziehen konnte.

Tapfer gingen wir noch bis zum bitteren Ende in den Kurs. Eigentlich war es immer ähnlich: Es lag Spielzeug herum, mit dem wir die Kinder animieren sollten. Die Kursleiterin las am Anfang etwas vor, wir sangen immer wieder die gleichen Lieder, wateten wie Störche durch das Kaminzimmer und sollten uns mit den anderen Eltern austauschen. Das lief so lala, denn irgendwie wollte die Gruppe nicht so recht zusammenpassen. Mima gefiel es mal mehr, mal weniger. Sie war neugierig, fing aber bei kaltem Plastik wie dem Bällebad oder der Luftmatratze an zu weinen. Die letzte Viertelstunde bestand darin, die Kinder singend anzuziehen. Das konnte ich auch zu Hause anwenden, wenn Mima sich nicht in den Body oder Pulli zwängen lassen wollte.

Mein Rücken erholte sich so nach und nach von der Rösterei durch den Ofen. Ich schaffte es zwar selten, wirklich auf die Sekunde pünktlich zu sein, allerdings nahm die Teilnehmerzahl gegen Ende des Kurses ab, so dass ich immer weiter vom Ofen wegrücken konnte. Und auch die warme Dusche vermied ich, indem ich Mima einfach die Windel anließ. „Ohne Windel können die Kinder am besten ihre Umwelt erkunden“, sagte die Kursleiterin, aber irgendwie wollten alle Eltern ihren Kindern die Windeln anlassen. Zu den ganzen Milchflecken auf der schlabberigen Mama-Kleidung musste nicht auch noch Pipi oder Schlimmeres.

Dank des Pekip-Kurses kenne ich nun weitere Strophen von „Hoppe Reiter“ und halte mein Kind mit Singen auf dem Wickeltisch bei Laune. Mit Federn gekitzelt habe ich es seitdem nicht mehr und mich auch nicht mehr mit dem Rücken an irgendeinen Ofen gesetzt. Ein paar interessante Anregungen waren dabei, das war aber die lange Fahrt hin und zurück nicht wert. Mit einer harmonischeren Elterngruppe wäre der Kurs vielleicht ein Hit geworden und wir hätten weiter gemacht. Aber bei diesem Kurs hielt sich der Spaßfaktor in Grenzen. Daher beschloss ich, dass Mima Lust hatte, andere Kurse zu besuchen. Und das niemals ohne eine Wasserflasche für die Mama in der Wickeltasche! Ein Ofen ist mir bislang bei diesen Kursen zum Glück nicht mehr begegnet.

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Ein Gedanke zu „Vom Kaminfeuer geröstet

  1. Pingback: Style naja – Komfort oha: Der Warmduscher-Kinderwagen | mamamajsan

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